Auf dieser Seite berichten wir von der ESOF in Barcelona, die vom 18.7. bis 22.7. stattfindet. Christoph Muster, Ilian Eilmes, Christian Wehrberger, Niclas Müller und KP Haupt nehmen an dem größten europäischen Wissenschaftskongress teil, zu dem 4500 Teilnehmer aus der gesamten Welt erwartet werden. Im Rahmen der Verleihung des NaTWorking Preises 2007 an den PhysikClub hat die Robert-Bosch-Stiftung auch fünf Mitarbeiter des PhysikClubs nach Barcelona eingeladen.

 

Do, 17.7.: Ankunft in Barcelona und Bezug der Ferienwohnung mitten im Zentrum.

Parkplätze sind im Zentrum von Barcelona extrem selten und die Suche in den engen Gassen ist anstrengend. Wir wurden aber fündig und entschlossen uns als stolzer Besitzer eines Parkplatzes auf das Auto zu verzichten und alle Wege zu Fuß zurückzulegen.

 

Informationen zur ESOF:

Homepage:  ESOF 2008

The Third Euroscience Open Forum (ESOF) Opens in Barcelona

Stuttgart, 16 July 2008 – "Because science in Europe has long been international, but is still struggling to become European, the Euroscience Open Forum was called to life four years ago." With these words, Ingrid Wünning Tschol, director of the Science and Research Program at the Robert Bosch Stiftung, describes the idea behind ESOF, a "showcase for research." Tschol, who holds a doctorate in biology and belongs to ERAB, the independent Advisory Board to EU-Commissioner Potocnik, belongs to the initiators of the congress, which was held for the first time in 2004 in Stockholm and for the second time two years later, in Munich. At the third forum, which will open in Barcelona on July 18 and run through July 22, Ingrid Wünning Tschol will co-chair the steering committee alongside Enric Banda.

"Science lives from the exchange of ideas and from the societal recognition that follows from encounters between researchers, funders and the media," as Ingrid Wünning Tschol emphasized. Within a short time ESOF has developed into the most important gathering for research scientists, research policy makers and media representatives. "Europe to become a strong, highly visible and innovative partner on the global map of science, this is the vision!" Independent of governments and parties, this forum plays a central role in the creation of a truly European scientific community. Alongside presentations of excellence in European research, ESOF provides forums for a free-ranging discussion of the most controversial issues in science and research policy.

More than 3500 participants are expected at ESOF 2008, where much of the focus will be on the life sciences and current debates in research policy. The speakers will include four Nobel Prize winners and high-ranking officials in research policy like Portugal’s Minister of Science Mariano Gago, former chief scientific adviser to the British government Sir David King, President Kafatos and Secretary General Winnacker of the European Research Council.

Robert Bosch Stiftung has played a key role in the development and financing of ESOF. The foundation has invested far upwards of one million euros in the establishment of this conference for European science

 

Freitag, 18.07.:  1. Tag

Am Vormittag besichtigten wir die ersten Ausstellungen (Kernfusion, LHC Genf), das Vortragsprogramm begann um 14.00 Uhr.

Insgesamt sind jetzt 4500 Teilnehmer angemeldet, 20000 Besucher der Ausstellungen werden erwartet.

Alle 2 Stunden beginnen bis zu 10 parallele Vortrags- bzw. Diskussionsveranstaltungen aus den Bereichen Neurologie, Physik, Astrophysik aber auch aus sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereichen.

Wir besuchten zuerst einen Vortrag über Neurologie. Neben dem neuronalen Netz existiert noch ein Netzwerk von Astrozyten, das für die Energieversorgung der Neuronen zuständig ist und sich gekoppelt an das neuronale Netz eigenständig organisiert.

Danach besuchten wir drei Kurzvorträge und eine anschließende Diskussion über den Fusionsreaktor ITER, der von der Planungs- in die Bauphase übergeht. Vielleicht können wir in 30 Jahren Energie aus Kernfusion gewinnen.

Die anschließende Eröffnungsfeier mit vielen Reden wichtiger Personen und einer tollen Seifenblasenschau beendete den ersten Tag.

 

Apropos Parkplatz: Wir sind weiter stolzer Parkplatzbesitzer, da wir eine U-Bahn Dauerkarte erhalten haben... 

Sa, 19.7., 2.Tag:

Heute morgen ging es schon um 8.30 Uhr los, d.h. 7.30 Uhr mussten wir unsere schöne klimaanlagengekühlte Ferienwohnung verlassen und durch die 35°C warmen U-Bahn Stationen gehen und dann  in die gekühlten, eiskalten U-Bahnzüge steigen.

Forum 1: The universe and reality

Fazit der Einführung in die Kosmologie: Unser Universum ist eine Störung in einer tieferliegenden Realität.

Forum 2: Why the vacuum is not empty

Hier ging es um die Grenzen des Standardmodells der Elementarteilchenphysik und die Erforschung mjit dem LHC in Genf. Mna ist sich sehr sicher, dass die Natur das Problem der Massenzuweisung auf der Energieskala des LHC gelöst hat, ob mit oder ohne Higgs-Teilchen wird sich in den nächsten Jahren herausstellen. 

Forum 3: Crisis in cosmology

Diese Sitzung umfasste drei Vorträge und eine lange Diskussion. Den Referenten gelang es ausgezeichnet die aktuellen Probleme der Kosmologie offenzulegen. In der Diskussion ging es vor allem um die Rolle des negativen Drucks, seiner anschaulichen Bedeutung und der Rolle des Energieerhaltungssatzes bei der Expansion.

Die Energiedichte der Dunklen Energie bleibt bei der Expansion erhalten, d.h. die Menge der Dunklen Energie nimmt zu. In vielleicht 30 Milliarden Jahren könnte dies zum Big Rip führen, wenn schließlich sich auch die Energiedichte vergrößert und die kosmische Expansion sogar Atome auseinanderreißt. Der Kosmos vergrößert sich dann mehr als exponentiell, da sich im Exponenten nicht nur die Zeit t ändert, sondern auch der Vorfaktor (der Hubble-Parameter H).

Damit ist der "Big Rip" stärker als die Inflation zu Beginn des Kosmos, die nur exponentiell zu einer Vergrößerung um den Faktor 10^50 führte.

Am Abend gingen wir dann zur ESOF Party im Stadtzentrum, mit Blaskapelle, Tanzorchester, Gauklern und einem riesigen Büffet mit Spezialitäten aus allen spanischen Regionen, das selbst Christian und KP satt gemacht hat.

So, 20.7., 3.Tag:

Am Vormittag war Ausschlafen und Ruhe angesagt, um 13.00 Uhr geht es weiter mit Vorträgen über Quanten und Festkörper.

Die erste Sitzung hatte die Datenauswertung am LHC zum Thema. Selbst nach einer erheblichen Datenreduzierung füllen die jährlichen Messwerte einen 20 km langen CD-Stapel.

In der nächsten Sitzung (jeweils drei Vorträge mit Diskussion) ging es um niedernergetische Antiprotonen. Das Herstellungsrezept klingt einfach: Man erzeuge einen intensiven Protonenstrahl hoher Energie, schieße ihn auf ein Target, sammel die Antiprotonen ein un d bremse sie ab.

Dann kann man sie an Stelle von Elektronen in Heliumatome einbauen und so die Eigenschaften der Antimaterie bestimmen.  Man hofft Abweichungen zur Materie messen zu können um so eine Verletzung der von der Relativitätstheorie geforderten CPT-Symmetrie zu finden. Dann hätte man eine Chance zu verstehen, warum unser Kosmos in überwiegender Mehrzahl aus Materie besteht.

Anschließend gaben wir unseren Parkplatz auf, fuhren  zum Baden ans Meer und auf den Berg Tipitabo, der neben einer gewaltigen Kathedrale einen Vergnügungspark mit Teufelsdarbietungen anbietet, auf alle Fälle hat man einen tollen Blick auf das nächtliche Barcelona.

Dann begann eine fast zweistündige Parkplatzsuche..., wir hatten halbwegs legalen Erfolg und mussten dann mit der U-Bahn 40 Minuten zu unserer Ferienwohnung fahren. Autofahren in Barcelona ist eine Sache für sich.....

Mo, 21.7., 4.Tag:

Heute haben wir nur drei Sitzungen besucht, die verlängerte Mittagspause haben wir in der Wohnung bzw. in der Stadt verbracht.

Sitzung 1: Science at the centre of the Earth: matter at extreme pressure and temperature

Viele Eigenschaften im Erdmantel (Erdbebenausbreitung, Thermische Leitfähigkeit) ändern sich, wenn durch den wachsenden Druck dreifach ionisiertes Eisen ein weiteres Elektron aufnimmt. Mit Hilfe von Synchrotronstrahlung kann man die Physik hierzu untersuchen. Der Phasenübergang lässt sich auch mit hohem Druck künstlich erzeugen.

Sitzung 2: Brain-Computer-Interface: an end to the privacy of thoughts?

Vollständig gelähmte Patienten lernen über Gehirnakivität Computer zu steuern, Affen können über eingepflanzte Elektroden eine künstliche Hand ansteuern und verwenden. Zeigen Komapatienten kognitive Aktivitäten?

Sitzung 3: The amazing quantum world of ultra cold matter

Die drei Vorträge behandelten mögliche Abkühlungsprozesse und die Verwendung ultrakalter Atome für die Erzeugung von präzisen Zeitsignalen. In einem Lichtgitter lassen sich ultrakalte Atome einfangen und zur Speicherung von Quanteninformationen verwenden. 

Di, 23.4., 5.Tag:

Heute waren nur noch wenig interessante Vorträge (Zahlentheorie und Informationstheorie, Wie kann naturwissenschaftlicher Unterricht interessanter werden), die Ausstellung (Bild: Spaniens JuFo Projekte) wurde schon mittags abgebaut.

Wir haben deswegen viel touristisches Programm gehabt: Innenstadt, Tapas-Essen (siehe Bild) , Strand und am Abend eine Autofahrt in das 50 km entfernte Kloster Montserrat, das 1200 m hoch in einer Steilwand gebaut ist. Das Bild vom Sonnenuntergang und die Fahrt zum schnellsten und besten Fastfood-Lokal Spaniens (Wartezeit 30 Minuten, Personalbewegung 1 Muskelaktivität pro Minute und verschimmelte Burgerbrötchen...) lassen uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied nehmen.....

Unser Immunsystem ist kräftig trainiert: 28° Straße, 35° U-Bahn-Station, 17° U-Bahn-Inneres,...,   und dann wieder rückwärts... und unser Geist dank ESOF ebenfalls....

PS: Diesmal haben wir wieder einen Parkplatz unmittelbar vor der Wohnung gefunden. Unten sieht man den typischen Blick aus einer Innenstadtwohnung von Barcelona....